„Wenn du mich fragst, was die Kunst sei, so weiß ich es nicht. Wenn du mich nicht fragst, so weiß ich es.“
Zitat von El Lissitzky

Technik, Natur und Automatismus sind in den Arbeiten von David Blitz sinniger Weise verbunden. Es entstehen scheinbar gegensätzliche Bedeutungen, wie auch unausweichliche Zusammenhänge. Die multimediale Musik- und Videoarbeit „From Dawn Till Dusk“ spricht ebendieses Thema bewusst an, in der es um einen möglichen Kontrast zwischen Industrie und Natur geht. Am Schluss der Arbeit wird dieser Kontrast besonders betont, jedoch kann man nicht zwingend behaupten, dass damit ein dramaturgisches Ende gesetzt ist. Gemäß dem Titel erfahren wir nichts über das zwingend folgende, nächtliche Geschehen.
Blitz arbeitet bei den Flipper-Kasten-artigen Arbeiten mit collageartig komponierten Geschehensabläufen, die sowohl in intermedialer Hinsicht, als auch in klassischer Form der Collage – sprich: rein visuell – ausgestaltet sind. (Desert Stop, 2008). Diese Arbeiten sind nahezu als „konzertartig” zu verstehen, weil akustische, choreographische und musikalische Ausdrucksformen darin einfließen. Choreographisch insofern, als dass die Kästen über einen Sensor verfügen, der auf die Bewegung des Betrachters reagieren. Bewegung findet in automatisierter Form statt und doch auf der Basis von zufälligen menschlichen Bewegungen.
Formal und inhaltlich liegt der Bezug zur Fluxus-Kunst zu Beginn des 20sten Jhdts., als auch der 60er Jahre nahe. Dennoch dienen hier als Werkstoff nicht Abfall wie Zigarettenstumpen, Ansichtskarten, Seile oder Filmdosen, sondern elektronische Musikgeräte und Filmstills, wie in der Arbeit “Who is Art?” (2008). Die beiden Hillbillies unterhalten sich darin zwar über Kunst, doch geschieht das scheinbar unmotiviert. Der Sinn ihres Gesprächs wird nicht ganz klar, und daher entsteht ein bizarrer Eindruck: Weshalb sprechen die beiden denn überhaupt und ausgerechnet über Kunst? Im Sinne Michel Foucaults “Sprache dient nicht dem Verstehen, sondern dem Zerschneiden” und an Fluxus angelehnt, zeigt sich eine thematische Verwirrung von Sinn und Unsinn, Bedeutung und Bedeutungslosigkeit.
Auf dieser Folie findet Ablehnung von Manifesten statt, die sich auch gegen Kunstkritik wendet. Eine ähnliche Position der Unterwanderung von kunsttheoretisch als rigide empfundenem Regelwerk findet sich bei dem kalifornischen Künstler Edward Ruscha, bei dessen Arbeiten es hinter der Maske sprachlicher Brillianz ebenfalls um Unmittelbarkeit der Empfindung geht. So gesehen erzeugt auch David Blitz Ventile zu unmittelbarem ästhetischen und politischem Empfinden. Auf der Ebene von Urteilsvermögen können kritische Gedanken über die Medialität unserer Zeit und der durch sie vermittelten Information aufgeworfen werden.

(Text-Mimi Wehr)